Westfälische Nachrichten: Impulse für die Region – Wellness und Kurzurlauber

Westfälische Nachrichten: Impulse für die Region – Wellness und Kurzurlauber

Anja Karliczek, frisch für die CDU in den Bundestag eingezogen, lud ins heimische Hotel in Brochterbeck ein, um über erste Erfahrungen in Berlin zu sprechen. Für die hiesige Region schwebt ihre eine Zukunft im Zeichen des Tourismus vor.

Vielleicht hat Anja Karliczek die passende Antwort auf die Frage, warum die Fluglinie in die Bundeshauptstadt ab FMO nicht so richtig funktionieren will. „Zugfahren ist super“, sagt die frisch gebackene Bundestagsabgeordnete, die am 24. September den Wahlkreis III im Kreishaus mit großem Abstand geholt hat. „Drei Stunden, fast unschlagbar.“

Am Fuße des Teutos liegt ihr Heimatrevier. „Vier Sterne superior“, das Hotel Teutoburger Wald, ist immer noch gut für ein emotional starkes „wir“, „unser.“ „Der Draht bleibt“, schmunzelt die Abgeordnete, obgleich die beiden Brüder heute das Sagen haben. Wäre sie bei den Wahlen am 22. September gescheitert, sie wäre wohl wieder in den Familienbetrieb eingestiegen. Jetzt, auf dem Parkett im Plenarsaal, denkt sie nicht mehr ans Hotel.

Doch immerhin sorgt das Wellness-Haus an der Ortsrandlage Brochterbecks heute für die Erdung in Berlin. „Aus der Praxis in die Politik. Das hat was für sich“, räsoniert die Abgeordnete. Das habe sie übrigens mit vielen Kolleginnen aus der Fraktion gemeinsam. Dass Männer eher zielstrebig an ihrer Politikerkarriere feilen, quittiert sie nur mit einem freundlichen Lächeln.

Das heimische Hotel allerdings führte sie auch zu ihrem politischen Steckenpferd in Berlin. Der Tourismus-Ausschuss stand auf ihrer Wunschliste. Ein Wunsch, den die Partei erfüllte. Auch wenn es nur ein nachrangiger Ausschuss ist, will sie hier Akzente für den Wahlkreis setzen.

„Wellness-Gesundheit“ nennt sie einen neuen Aspekt für die Region. Zieht sie damit nicht das Tecklenburger Land aus dem Münsterland, für den der Radtourismus gesetzte Marke ist? Nein, das Radeln sei eben nicht alleiniges Standbein. Gesundheit-Wellness solle ein spezielles Label fürs Tecklenburger Land werden. Eine gemeinsame Klammer fürs Münsterland sieht sie im Thema „Kurzurlaub“. Der werde immer trendiger. „Lieber ein paar Mal kurz wegfahren als den ganz großen Urlaub planen“. Davon profitiert auch das heimische Unternehmen.

Brochterbeck – Berlin, größer könnte der Kontrast kaum sein. Lebt Anja Karliczek im Teuto-Dorf im blitzsauberen Einfamilienhaus mit drei Kindern und dem Ehemann, reduziert sie sich in Berlin auf Bett, kleinen Schreibtisch und Nasszelle. 69 Euro die Nacht, inklusive Frühstück – das „Motel one“ am Bahnhof. „Das ist okay, denn in Berlin konzentriere ich mich auf die Arbeit.“

Als Hinterbänklerin im Bundestag sieht sie sich keineswegs. „Bis auf den Fraktionsvorstand, der in der ersten Reihe sitzt, gibt es keine feste Sitzordnung.“ Bei ihren Themen sitze sie weit vorn. Im Finanzausschuss, einem der Hauptausschüsse, ist sie zudem Mitglied. Dass mit der Abgeordneten Ingrid Arndt-Brauer eine münsterländische Sozialdemokratin an der Spitze dieses Ausschusses steht, sieht sie nicht als Nachteil. „Wir sind auch schon gemeinsam mit dem Zug gefahren.“ Basisarbeit an der GroKo, die mit einigem Knirschen an den Start ging. Auch da zeigt die Bundestags-Novizin Pragmatismus, den sie nicht zuletzt in der kommunalpolitischen Arbeit im Tecklenburger Rat gewonnen hat. Dem klaren Ja zur Mütterrente folgt ein eher skeptisches Räuspern zur Rente ab 63. Aber dagegen stimmen? „Nein.“ Das ist ein Gesamtpaket. „Wie im täglichen Leben. Da müssen Sie doch auch mit Ihrer Frau Kompromisse schließen.“

Auch im Kommunalwahlkampf im Frühjahr wird sie aktiv sein. Die Entscheidung, ob sie für den Tecklenburger Rat kandidiert, lässt sie noch offen. Der Trend allerdings ist erkennbar. „Karl-Josef Laumann hat mir gesagt: In der ersten Legislaturperiode kannst du das noch machen.“

Mit der Landtagsabgeordneten Christina Schulze-Föcking will sie auch die Grevener beim Kommunalwahlkampf unterstützen. Hilfestellung allerdings bei der Suche nach einem geeigneten Bürgermeisterkandidaten habe sie bisher nicht geben können. Aber: „Die finden schon einen.“