Ibbenbürener Volkszeitung: Schwangere schädigen durch Alkoholkonsum ihre Kinder

Ibbenbürener Volkszeitung: Schwangere schädigen durch Alkoholkonsum ihre Kinder

Fachtag zum „Fetalen Alkoholsyndrom“ im Kepler-Gymnasium

Dr. Reinhold Feldmann (Universität Münster) hielt den Hauptvortrag des Fachtages zum Thema „Fetales Alkoholsyndrom“ im Kepler-Gymnasium. Anja Karliczek, MdB, Professor Dr. Klaus Münstermann, Inhaber der Kinder- und Jugendhilfe tibb sowie Dr. Hermann Günter Faber, Confugium-Geschäftsführer (v.l.), begrüßten die Teilnehmer. Foto: Brigitte Striehn

Von Brigitte Striehn

IBBENBÜREN. Aufklärung und Meinungsaustausch haben den sechsten Fachtag der Jugendhilfeeinrichtungen „confugium“ und „tibb“ am Samstag im Kepler-Gymnasium geprägt. Zahlreiche Experten beschäftigten sich mit verschiedenen Aspekten der Erkrankung FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder). Dr. Reinhold Feldmann (Universität Münster) hielt den Hauptvortrag über Stand der Forschung und Therapie. Im Pressegespräch informierte er über Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und die Folgen.

„Die Situation der Kinder ist dramatischer als beispielsweise bei der Aufmerksamkeitsstörung ADS“, betonte er. Es lägen unheilbare organische Schädigungen vor, deshalb besuchten etwa 50 Prozent Förderschulen. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Familie spiele eine zentrale Rolle. Inklusion sei wichtig, aber die Kinder und Jugendlichen benötigten auch nach der Schulzeit eine intensive Betreuung. Sozialpädagogin Sandra Naßmacher wies auf die Bedeutung der beruflichen Entwicklung und der Bereiche Wohnen und Freizeit hin.

Den Kampf der Vereinigung FASD Deutschland e. V. für die Klassifizierung aller Formen der Krankheit als Behinderung erläuterte die Vorsitzende Gisela Michalowski. In unserer Gesellschaft existierten viele Berührungspunkte zwischen Schwangeren und Alkohol, gab Dr. Hermann Günter Faber, Confugium-Geschäftsführer, zu bedenken. „Diese Kinder brauchen ein Netzwerk, das sie entlastet und unterstützt“, hob Professor Dr. Klaus Münstermann, Inhaber der Kinder-und Jugendhilfeinstitution „tibb“ hervor.

An Anja Karliczek (CDU) richtete er den Wunsch, für eindeutige Warnhinweise zu sorgen. „Das wird kritisch gesehen, die Politiker setzen eher auf Prävention“, entgegnete das Mitglied des Bundestages.

Auch Pflegeeltern müssen in die Betreuung dieser Kinder hineinwachsen und Hilfe von den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe erhalten. Daher will sich tibb zu einem Zentrum mit einen differenzierten Spektrum von Fachleuten entwickeln, erklärte Professor Münstermann.

Das Krankheitsbild werde erst seit den 1960er-Jahren erforscht, so Dr. Feldmann. Prävention sei nur konsequent und dauerhaft sinnvoll, mit einzelnen Kampagnen werde nicht viel erreicht. Die Kosten für das FASD sind hoch und vor allem vermeidbar. Knapp 5,5 Milliarden Euro jährlich fallen allein in Nordrhein-Westfalen an: unter anderem Mehrkosten durch Förderschulen, besondere Wohn- und Ausbildungssituationen oder medizinische Versorgung.

Im Foyer machte eine eindrucksvolle Wanderausstellung auf die vielfältigen Probleme der Erkrankung für Eltern, Lehrer und Pflegefamilien aufmerksam.

„Alkohol ist ein Gift“

Gisela Michalowski, Vorsitzende FASD Deutschland e.V.

„FASD ist eine biografische Katastrophe“

Dr. Reinhold Feldmann, Universität Münster