Ibbenbürener Volkszeitung: Der Geist von Freiheit und Frieden

Ibbenbürener Volkszeitung: Der Geist von Freiheit und Frieden

CDU-Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek spricht zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit/Giro stört

Von Claus Kossag

IBBENBÜREN. Traditionell auf dem Oberen Markt hat der CDU-Stadtverband Samstagmorgen den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Etwa 80 Bürger wurden vom Stadtverbandsvorsitzenden Christoph Borgert begrüßt, der sich wie das Akkordeon-Orchester Ibbenbüren und die CDU-Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek redlich mühte, gegen die Lautstärke von Musik und Durchsagen der Vorbereitungen zum Münsterland-Giro (Start mittags am Christuskirchplatz) anzukommen. Diese akustische Konkurrenz der Feier, die wie immer eine gute halbe Stunde dauerte, rief bei vielen Besuchern auf dem Oberen Markt Unmut hervor.

Borgert erinnerte daran, dass die Ibbenbürener CDU auch nach 24 Jahren an der Tradition festhalte, den Tag der Deutschen Einheit zu feiern. Das „Silberjubiläum“ sei besonderer Anlass, sich an den „weltpolitischen Glücksfall“ zu erinnern.

Die Festrednerin Anja Karliczek erinnerte an die Bilder des Abends des 8. Novembers 1989 – Menschen, die über Mauern klettern, durch offene Schlagbäume einfach von hüben nach drüben gehen. Karliczek: „Von dieser Freude geht eine unglaubliche Kraft aus. Dieser Tag ist und bleibt für die Menschen in Deutschland unvergesslich. Und nicht mal elf Monate später ist es beschlossen und besiegelt: Deutschland ist wieder eins.“

Die Bundestagsabgeordnete aus Brochterbeck sprach von einem „Wunder der Geschichte“. Seit nunmehr einem Vierteljahrhundert gebe es „keine deutsch-deutsche Grenze mehr, die den Menschen Angst und Schrecken einjagt, die Familien trennt, an der Menschen ihr Leben lassen“. Froh und dankbar müsse man sein, dass die Teilung auf friedlichem Weg überwunden wurde. „Friedlich – nur durch die Kraft der Demokratie.“ Karliczek: „Dass wir heute ein Leben in Recht und Freiheit für alle haben, das verdanken wir einer couragierten entschlossenen Bürgerbewegung und Politikern, die die Gunst der Stunde zu nutzen wussten.“

Anja Karliczek erinnerte daran, wie ein Geist von Frieden und Freiheit durch Europa ging. „Europa war und ist auch heute immer noch das große Friedensprojekt der Nachkriegszeit. Nie wieder Krieg auf unserem Kontinent, darauf haben alle hingearbeitet.“ Die Europäische Union nannte sie unverzichtbar. „Wir sind eine Wertegemeinschaft, die die Würde jedes einzelnen Menschen, die Freiheit, die Rechtsstaatlichkeit und die Demokratie als Grundfesten unseres Zusammenlebens begreift.“ Gerade jetzt, in einer Zeit, wo sich eine Herausforderung an die andere reihe, dürften diese Grundlagen nicht infrage gestellt werden.

Die Bundestagsabgeordnete ging auf die Flüchtlingsproblematik ein. Die Menschen machten sich auf den Weg aus der Hoffnungslosigkeit, aus Sorgen um Leib und Leben ihrer ganzen Familie. „Sie fliehen vor Krieg und Verzweiflung oder auch einfach nur vor Armut.“ Karliczek betonte die Unverzichtbarkeit, Menschen zu helfen, die Schutz an Leib und Leben benötigen. Es müsse aber auch offen und ehrlich in die Welt kommuniziert werden: „Die Anzahl der Menschen, die momentan zu uns kommen, bringt uns an die Grenzen unserer Möglichkeiten.“ Deshalb brauche es in den Asylverfahren eine gute Ordnung, „damit wir den Menschen, die wirklich unseres Schutzes bedürfen, auch helfen können“. Karliczek hob die große Hilfsbereitschaft und das ehrenamtliche Engagement hervor, dass bei der Flüchtlingsunterbringung geleistet werde.

Sie appellierte zum Schluss, sich für Werte, um die es sich 1989/90 drehte, einzusetzen: „Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenwürde, sie sind nicht nur kostbare, sondern auch verletzliche Güter. Sie bleiben uns nur erhalten, wenn wir sie in jeder Situation – auch wenn es manchmal schwer ist – hochhalten und uns für sie einsetzen.“

Kommentar

Das hat es in der Geschichte der Feierstunden zum Tag der Deutschen Einheit noch nicht gegeben: Die Redner der CDU mussten gegen die Beschallung der Stadt durch den Münsterland-Giro ankämpfen. Dabei gelang es durch die Anlage des Akkordeon-Orchesters wenigstens, die Reden für das Publikum hörbar zu machen. Aber die Durchsagen zum Rennen blieben – trotz zu dieser Zeit abgeschalteter Giro-Boxen am Oberen Markt – störend und sehr ärgerlich. Beide Veranstaltungen waren bekannt und genehmigt. Und es soll seitens der Stadt auch abgesprochen gewesen sein, dass für die halbe Stunde der Einheits-Feier Ruhe einkehrt. Woran auch immer es gelegen haben mag, dass es nicht klappte: Die Innenstadt gut eineinhalb Stunden vor dem Giro-Start (die Zuschauerzahl war zu diesem Zeitpunkt sehr überschaubar) derart zu beschallen, dass die Einheits-Feier gestört wird, das geht gar nicht. Claus Kossag